Rosa gallica

J. Gabler
Schnellüberblick

Deutscher Name: Essig-Rose

Synonyme: Gallica-Rose, Zuckerrose

Wissenswertes

Die Essig-Rose oder Gallica-Rose Rosa gallica ist eine robuste Wildrose und wird zu den Alten Rosen gezählt, da viele unserer heutigen Garten-Rosen von ihr abstammen. Sie gehört zur Familie der Rosengewächse und wird bereits seit vielen Jahrhunderten kultiviert. Gallica-Rosen sind wegen ihres leicht zu bändigenden Wuchses, ihrer intensiven Farben und ihres vorzüglichen Duftes ausgezeichnete und beliebte Gartenrosen. Die Blüten dieser Art werden schon seit der Römerzeit unter Verwendung von Apfelessig bzw. Wein und Honig zur Herstellung des arzneilich genutzten Rosenessigs verwendet, woher auch ihr deutscher Name seinen Ursprung hat. Die Essig-Rose wächst aufrecht zu einem gedrungenen Zwerg- bzw. Kleinstrauch heran, der etwa einen Meter hoch wird. Ihre Stängel sind mit dichten geraden Stacheln besetzt - lediglich längere Stacheln sind gekrümmt. Das Laub ist drei- bis siebenfiedrig. Die Blattoberseite ist zumeist dunkelgrün, während die Blattunterseite eher graugrün erscheint. Die Blüten stehen meist einzeln auf langen, dicht-drüsigen Blütenstielen. Blütenstiele, Blütenbecher sowie die langen Kelchblätter sind meist stieldrüsig. Die äußeren Kelchblätter verfügen über Anhängsel. Die Blüten weisen eine doppelte Blütenhülle auf, wobei die fünf Kronblätter radiärsymmetrisch angeordnet sind. Die Blüte kann einen Durchmesser von bis zu sieben Zentimetern erreichen. Die großen Kronblätter sind außen dunkelpurpurn oder rosa und werden meist zur Blütenmitte hin heller bis weiß. Die im Zentrum der Blüte sitzenden, gelben Staubblätter schaffen einen attraktiven Kontrast zu den purpurnen Kronblättern. Zu ihren Bestäubern zählen unter anderem kurzrüsselige Bienen, Schwebfliegen, Käfer und Fliegen. Ökologisch bedeutsam ist diese Rose für Säugetiere und Vögel, die in ihrem Geäst Schutz finden können und die reifen Hagebutten der Pflanze als Nahrungsquelle im Winter nutzen. Nach der Blüte bilden sich aus den chorikarpen Fruchtknoten kugelige, borstige Hagebutten aus, die eine orangebraune Farbe haben. In der Hagebutte entwickeln sich Nüsschen, die wiederum von dem fleischigen Fruchtbecher eingeschlossen werden, der bis zu ihrer Reife aushärtet. Die Rotfärbung des Fruchtbechers erfolgt durch Karotinoide, vor allm Lycopin. Aufgrund des hohen Gehaltes an Vitamin C und anderen Vitaminen gilt die Hagebutte als bewährtes Mittel bei Erkältungskrankheiten. Sie kann zu Tee oder Mus verarbeitet werden, finden aber auch Verwendung in Suppen oder Weinen. Im Handel findet sich der Tee aus den Samen als "Kerneltee. Im Mittelalter wurde der Sorte 'Officinalis' (Apothekerrose) eine besondere Rolle als Heil- und Parfumpflanze zugesprochen - vor allem in Provins, südlich von Paris wurde die Sorte mit der Parfumherstellung auch wirtschaftlich bedeutsam (Provins-Rose). Anfang des 17. Jahrhunderts soll es lediglich ein Dutzend verschiedener Sorten gegeben haben. Die Züchtung neuer Sorten aus Sämlingen (zunächst aus Holland, später auch Frankreich) führte dazu, dass bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts die Sortenzahl bereits auf über 1000 anstieg. Noch heute sind zahlreiche Sorten und Hybriden im Handel erhältlich.

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Rosa gallica zeichnet sich durch eine hohe Hitzeverträglichkeit sowie Frosthärte aus und gilt somit als robuste Wildrosenart. Sie wächst hauptsächlich in Wäldern und Gebüschen trockenwarmer Standorte, ist daneben aber auch in Laub- und Tannenwäldern sowie Staudensäumen trockenwarmer Standorte vorzufinden. Die wärmebedürftige Art meidet in der Regel jede Art von Beschattung und bevorzugt einen windgeschützten Standort. Sie toleriert dennoch lichtschattige bis halbschattige Bereiche, gedeiht allerdings nicht im Schatten großer Bäume. Die Essig-Rose bevorzugt frische und nährstoffreiche Lehmböden. Außerdem kann sie durch ihren vegetativen Ausbreitungsdrang über Wurzelausläufer ganze Kolonien bilden, wird aber unter den Rosengewächsen als schwachwüchsig deklariert.

Auf einen Blick

2.7 Biodiversitätsstreifen
Europa
Gehölz
Kleinstrauch0,5-1,5m, Zwergstrauch0-0,5m

Wissenschaftliche Informationen

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Rosa gallica L.
Rosaceae (Rosengewächse)
Rosa
gallica
'Agathe Incarnata', 'Aimable Rouge', 'Alain Blanchard', 'Belle de Crécy', 'Belle Isis', 'Cardinal de Richelieu', 'Charles de Mills', 'Complicata', 'Constance spry', 'Duchesse de Montebello', 'Empress Josephine', 'Hippolyte', 'La Belle Sultane', 'Officinalis', 'Paeonienrose', 'Rafzerfeld', 'Robert le Diable', 'Rose de peintres', 'Samt-Rose', 'Sissinghurst Castle', 'Tuscany Superb', 'Versicolor' uvm.
Gallica-Rose, Zuckerrose

Standort

6Steppengehölze- und Trockenwälder.1trocken bis frisch, nässeempfindlich, nährstoffreich, schwach sauer bis stark alkalisch, sandig, sandig-kiesig oder -lehmig.3sonnig bis lichtschattig, sommerkühl und winterkalt, frosthart.6Kleinstrauch > 0,5 m,
9Gehölze der Hecken und Strauchflächen.1trocken bis frisch, mäßig nährstoffreich, schwach sauer bis stark alkalisch, sandig- oder lehmig-humos.3sonnig bis lichtschattig.6Kleinstrauch > 0,5 m
vollsonnigLichteinfluss von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang, sonnigBesonnung mindestens von Sonnenaufgang bis Mittag, von Mittag bis Sonnenuntergang, lichtschattigSchattenwurf durch lückigen Baumbestand oder kurze Abfolgen sonniger und schattiger Phasen, halbschattigBesonnt von Sonnenaufgang bis 11 Uhr, 8 bis 12 Uhr, zwischen 10 und 14 Uhr 2,5h, von 12-16 Uhr oder von 13 Uhr bis Sonnenuntergang.
frischpF 3,9-3,1, mäßig trockenpF 4,0, trockenpF 6,5-4,1
durchlässigSubstrat mit guten Drain-Eigenschaften, Wasser kann abfließen, flachgründigA-Horizont des Bodens geht rasch in den C-Horizont (anstehendes Gestein) über, meist karg und nährstoffarm in Hügelland, Mittelgebirge oder Steilhängen, humoshoher Anteil organischer Substanz, lehmigBoden mit anorganischen Bestandteilen aus etwa gleichen Anteilen von Ton, Schluff und Sand, sandigBoden mit 20-40% Massenanteil an Korngrößen zwischen 0,063 und 2mm, schluffigBoden mit 15-40% Massenanteil an Korngrößen von 0,063-0,63mm und unter 20 % Massenanteil an Korngrößen unter 0,063 mm, tonigBoden mit min. 20% Massenanteil an Korngrößen unter 0,063mm
pH 7,0-9,0
5avon −28,8 °C bis −26,2 °C

Verwendung

Solitärstrauch, Heckenpflanzungen u. Hangbepflanzungen, Hangbefestigung durch Wurzelausläufer
die Früchte, die Samen, verarbeitet
süß
Ja, duftend
bedeutsames Vogelschutz- und Vogelnährgehölz
Ja, schnittverträglich
Wurzelausläufer und Samen
pflegeleicht und unkompliziert

Blätter

3-7-fiedrig mit rau-drüsigem Blattstiel, ledrig rau, oberseits dunkelgrün, unterseits graugrün
laubabwerfendLaubwurf am Ende der Vegetationsperiode, Austrieb zu Beginn der nächsten Vegetationsperiode, Blattalter ca. 1/2 Jahr, sommergrünLaubwurf am Ende der Vegetationsperiode, Austrieb zu Beginn der nächsten Vegetationsperiode, Blattalter ca. 1/2 Jahr

Blüte

Schalenblüte, 5 Kronblätter, radiärsymmetrisch mit doppeltem Perianth, zur Blütenmitte hin heller bis weiß gefärbt, weiter Griffelkanal, darüber ein wolliges Narbenköpfchen mit gelben Staubbeuteln
Juni, Juli
InsektenbestäubungBestäubung durch Insekten
gelb, pink, rosa

Frucht

Frucht Ende März
Sammel-Nuss-Frucht (Hagebutte), rundlich bis eiförmig, drüsig-borstig, orange-braun
September, Oktober
September, Oktober, November

Borke / Rinde

Wurzel­system

bei Bodenkontakt bewurzelnd, Hauptwurzeln tiefgehend, Tiefwurzler, weitstreichend
niedrigdie Pflanze breitet sich höchstens verträglich aus und lässt sich einfach vergesellschaften

Jahreszeiten

Besonderheiten / Zusätzliche Daten

Rote-Liste-Deutschland Gefährdungsstatus: gefährdet

Verfasser / Literatur

Anja Lips
Anja Lips, Jessica Gabler
  • Ruprecht Düll & Herfried Kutzelnigg (2022): Die Wild- und Nutzpflanzen Deutschlands - Vorkommen - Ökologie - Verwendung. - 9. Auflage. Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co., Wiebelsheim [Hrsg.], ISBN: 978-3-494-01825-6
  • Lorenz von Ehren (2014): 4.1 Auflage. Hamburg: Pflanzenhandel Lorenz von Ehren GmbH & Co. KG.
  • Fleischhauer, Steffen Guido (2004): Enzyklopädie der essbaren Wildpflanzen. 1500 Pflanzen Mitteleuropas mit 400 Farbfotos. – 2. Auflage. Aarau und München. AT Verlag.
  • Bärtels, Andreas (1991): Gartengehölze. Bäume und Sträucher für mitteleuropäische und mediterrane Gärten. – 3. Neubearb. und erw. Aufl. – Stuttgart: Ulmer.
  • Schultheis, Heinrich (1996): Rosen: die besten Arten und Sorten für den Garten. – Stuttgart: Ulmer Verlag
  • Bundesamt für Naturschutz (2023): Floraweb. Rosa gallica L. - Online verfügbar: zuletzt abgerufen am 30.07.2023
  • UFZ-Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle GmbH (2023): BiolFlor - Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland - Rosa gallica. - Online verfügbar: zuletzt abgerufen am: 30.07.2023
  • H. Stephan, M. Wichert, T. Puhlmann, S.H. Ahmed (2023): NaturaDB. Rosa gallica - Online verfügbar: zuletzt abgerufen am: 30.07.2023
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9 / 14Frucht Ende März
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